Ich bin immer noch überrascht, was in 2 Tagen möglich ist.
Kennst du Glossophobie? Die ausgeprägte Angst, vor anderen zu sprechen. Rund 40 % der Menschen leiden darunter. Und fast 75 % fühlen sich unwohl, wenn sie vor anderen sprechen müssen.
Viele leiden unter Lampenfieber, Unsicherheit oder dem Gefühl, einfach nicht gut genug zu sein vor Publikum. Sie vermeiden Auftritte. Lassen andere vor. Lehnen Chancen ab. Schieben Präsentationen weg. Obwohl sie eigentlich gute Gedanken haben. Obwohl sie fachlich stark sind. Die Angst ist oft stärker als die eigene Stimme.
Und dann sitzen einige dieser Menschen plötzlich in meinem Seminar. Sind aufgeregt, wissen nicht, was auf sie zukommt. Ahnen nur, dass sie sich ihrer Angst stellen müssen.
Menschen, die am Anfang nicht wissen, wohin mit den Händen. Die sich entschuldigen, bevor sie überhaupt anfangen zu sprechen. Die sich klein machen, leise werden, wegschauen.
2 Tage später stehen genau diese Menschen vorne und präsentieren.
Und der ganze Raum denkt:
Die macht das bestimmt schon lange.
Der wirkt routiniert.
Die ist richtig gut.
Aber das Beeindruckendste ist gar nicht die Präsentation. Es ist der Moment, in dem Menschen plötzlich selbst anfangen, es zu glauben. Dass sie das können. Dass sie gut wirken. Dass sie nicht „schlecht vor Publikum" sind.
Und jedes Mal denke ich mir: Ja, wir haben Referate in der Schule. Aber wir lernen Präsentieren nicht wirklich. Wir lernen Einleitungen auswendig wie: „Herzlich willkommen auch von meiner Seite." Und wir beenden mit: „Danke für die Aufmerksamkeit." Ich höre diese Sätze heute noch. Ständig.
Was fehlt, sind Mentoren, die wirklich analysieren können: Wie wirkt jemand? Was passt zu dieser Person? Wo blockiert der innere Kritiker? Warum wird jemand plötzlich klein vor Publikum? Warum klingt eine Stimme unsicher, obwohl fachlich alles da wäre?
Es geht längst nicht mehr nur um Präsentationstechniken. Es geht um Nervensystem. Um unser Selbstbild, das lästige Imposter-Syndrom, um unsere Körpersprache, Stimme und unsere Wirkung. Um das, was in Menschen innerlich passiert, sobald sie sichtbar werden.
Und genau dafür braucht es Fachleute. Ich merke es in meinen Seminaren jedes Mal: Je jünger die Teilnehmer sind, desto schneller passieren diese Veränderungen.
Wenn Menschen das früh lernen würden, würden viele nie anfangen zu glauben, dass mit ihnen etwas nicht stimmt. Sie würden sich früher melden. Sich mehr zutrauen. Chancen annehmen, statt sich kleinzureden.
Wie viele Karrieren scheitern nicht am Können, sondern daran, dass Menschen sich nie getraut haben, sichtbar zu werden?