„Egal, wie oft ich mich zu Wort melde — am Ende bleibt bei den anderen nichts hängen. Am Wortanteil kann es nicht liegen."
Das sagte letztens eine Kundin zu mir. Sie wurde in Meetings ständig überhört. Und sie hatte schon alles versucht: Egal, wer was sagte, sie sagte immer etwas dazu. Es half trotzdem nichts.
Viel reden bedeutet nicht automatisch mehr Aufmerksamkeit. Oft passiert das Gegenteil. Die Leute sind genervt. Und irgendwann hört keiner mehr richtig zu.
Ich habe ihr etwas empfohlen, das ich selbst sehr gerne anwende: Hör auf, mehr zu sagen. Fang an, das Gespräch zu ordnen.
In der ersten Hälfte des Meetings bewusst zurückhalten. Zuhören. Mitschreiben, wer was gesagt hat. Welche Beiträge wirklich gut waren. Wo zwei dasselbe meinen, ohne es zu merken.
Und dann ganz am Ende, wenn die Frage kommt: „Möchte noch jemand etwas hinzufügen?" — genau dann meldest du dich.
Und jetzt der wichtigste Teil: Du greifst die Beiträge der anderen auf. Mit Namen. Fasst alles zusammen, erwähnst die besten Kommentare — „der Einwand von Frau X finde ich sehr wertvoll" — und fügst danach deine eigene Meinung hinzu. Zum Schluss eine Frage in die Runde.
Wichtig: entspannt, mit ruhiger Stimme. Laut genug, dass es alle gut verstehen können, aber nicht hektisch. Die Ruhe ist die halbe Wirkung.
Damit zeigst du dreierlei: dass du wirklich zugehört hast. Dass dich die anderen interessieren. Und dass du mitdenkst.
Deine Wortmeldung ist dann nicht einfach eine mehr — sondern eine, die die anderen wertschätzt und für alle im Raum wertvoll ist. Das ist eine Taktik. Und es ist Respekt vor den anderen und vor dem Gespräch.
Meine Kundin hat es ausprobiert. Beim nächsten Mal hat sie kaum etwas gesagt und sich erst zum Schluss gemeldet. Danach kamen die Leute zum ersten Mal auf sie zu. Ihre Idee wurde gehört.
Nicht wer am meisten redet, prägt ein Meeting. Sondern wer es am Ende auf den Punkt bringt.