Letzte Woche saß ich mit einem Kunden in einem Interviewtraining. Ich stellte eine Frage. Noch bevor ich ausgesprochen hatte, begann er zu antworten.
Mitten in der Antwort stoppte er plötzlich. „Das war jetzt blöd." Ich fragte: „Warum?" — „Weil das eigentlich gar nicht das war, was ich sagen wollte."
Also stellte ich ihm dieselbe Frage noch einmal. Diesmal mit einer anderen Aufgabe: „Und jetzt antwortest du mir nicht sofort. Du wartest. Denk nicht darüber nach, dass du möglichst schnell antworten musst. Denk einfach über die Frage nach. Wenn du fünf Sekunden brauchst, dann nimm dir fünf Sekunden. Wenn du zehn brauchst, dann zehn."
Er saß da. Still. Ein paar Sekunden lang. Und dann kam eine völlig andere Antwort. Viel klarer, präziser. Er hatte sich Gedanken gemacht und nicht einfach irgendeine generische Antwort ausgespuckt.
Das Problem war, dass er sich keine Zeit genommen hatte, über die Frage nachzudenken.
Warum machen das so viele? Weil wir Angst vor der Stille haben. Wir glauben, wer schweigt, weiß nichts. Wer nicht sofort antwortet, wirkt unsicher — das denken wir zumindest.
Vor allem Interviewsituationen werden oft mit einer Prüfung verwechselt. Eine Frage kommt und sofort entsteht Druck: Jetzt muss ich etwas sagen, ich muss kompetent wirken. Also wird gesprochen. Irgendwie. Irgendetwas.
Dabei wirken die Menschen, die wir als souverän wahrnehmen, meist ganz anders. Sie hören zu, denken nach — und sie antworten erst danach.
Wer auf jede Frage sofort eine Antwort hat, hat oft gar nicht nachgedacht. Wer kurz innehält, gibt sich die Chance auf eine bessere Antwort.